Teil 1: Prämierung einer Tanzperformance
Am 25. November 2021 haben wir zum zweiten Mal den Teresa-Lugstein-Preis (TLP) vergeben. Er wird im Gedenken an Teresa Lugstein für wissenschaftliche Arbeiten verliehen, die sich mit Problemen von Frauen beschäftigen und Lösungswege aufzeigen. Erstmals wurde auch ein Preis für ein Projekt vergeben.

Die eingereichten Masterarbeiten müssen angewandte Forschungsfragestellungen im Themenbereich „Gewalt an Mädchen und Frauen“ oder „Gleichstellung von Mädchen und Frauen“ bearbeiten und Lösungsansätze dazu aufzeigen. Diese sollen geeignet sein, die Situation von benachteiligten Frauen und Mädchen zu verbessern und/oder in der Praxis erprobbar sein. Der Projektpreis zeichnet ein Projekt aus, das sich mit aktuellen gesellschaftlichen und/oder persönlichen Herausforderungen für Frauen und Mädchen auseinandersetzt und gezielt Aktivitäten für mehr Gleichberechtigung und Schutz vor Gewalt von Mädchen und Frauen im Land Salzburg setzt.
Sowohl die Masterarbeit von Anna Beuster mit dem Titel „On the question of why sexism is not spoken about in organisations“ (siehe nächste Seite) als auch die Tanzperformance von Birgit Mühlmann-Wieser wurden mit je 1.000 Euro prämiert.
Das prämierte Projekt:
Hungry Eye
Von der Gier zur lustvollen Liebe
ist eine Tanzperformance der b.m-w dance company Salzburg um ihre künstlerische Leiterin Birgit Mühlmann-Wieser.
Das Stück setzt sich tänzerisch mit der Sexualität der Frau auseinander – von der nackten Gier, dem unbändigen Begehren, der feurigen Lust, bis zur sinnlichen Liebe. Drei Tänzerinnen, ein Musiker und eine Sprecherin schaffen ein offenes Spielfeld, dass die individuelle, lebendige und lustvoll gelebte Sexualität der Frau, der Stigmatisierung der Frau als funktionierendes Objekt gegenüberstellt. SEXWISSEN IST HILFREICH. FRAU WIRKT AKTIV MIT! Humorvoll, mit Augenzwinkern und Hingabe, fein und sinnlich wird der somatisch erspürte Zugang zur Sexualität, der vorgespielten, perfekten Sexualität entgegensetzt und der Würderaum der Frau zur Diskussion gestellt!
Dazu Birgit Mühlmann-Wieser: „Dieses Tanzstück versucht einen Beitrag zu mehr Bewusstheit bei den Frauen zu schaffen. Nur wenn wir uns unserer alten Muster und Rollenbilder bewusst sind, können wir erkennen, wie wir geprägt worden sind. Auf, spielerische und humorvolle Art wollen wir einen künstlerischen, tänzerischen Diskurs über neue Möglichkeiten der neuen Weiblichkeit aufmerksam machen. Mut machen zu mir und meinem Körper, meiner Wahrnehmung und Meinung zu stehen. Was in weiterer Folge dazu führt aus der dienenden Rolle der Frau in einer patriarchischen Gesellschaft auszusteigen und dadurch zu einer Gleichstellung zwischen Mann und Frau zu gelangen. Nur durch die Entscheidung auszusteigen, können wir eine Reaktion bei anderen Mitmenschen erreichen. Eine gewaltfreie Art und Weise sich gegen Übergriffe und Ausbeutung zu wehren.“
www.tanzhouse.at – www.bmw-dance.at
Teresa Lugstein
arbeitete bis zu ihrem Tod 2017 im Referat für Jugend, Generationen und Integration der Salzburger Landesregierung. Sie leitete ab 2005 das Büro für Mädchenfragen als „Mädchenbeauftragte“. Am 22. Dezember 2021 jährt sich ihr Todestag zum vierten Mal, sie wurde nur 51 Jahre alt.