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Das Ensemble Spirit of Musicke auf musikalischer Spurensuche gegen das Vergessen

    Crowdfunding soll CD-Projekt ermöglichen

    Betrachtet man die Geschichte der Musik ist augenfällig, dass auch hier das (fast universelle) Prinzip gilt, dass die (gleichwertige) Leistung von Frauen nicht anerkannt wurde und das vielfach bewusst. Und das nicht nur bei ausführenden KünstlerIinnen, sondern in noch höherem Maße bei Komponistinnen. Gerade im Barock gab es nicht nur die Herren Bach, Telemann und Händel, sondern auch eine Reihe hervorragender Komponistinnen – wahrscheinlich viel mehr, als wir wissen, denn ihnen wurde das Komponieren vielfach untersagt, ihre Werke wurden verschwiegen oder konnten nicht im Druck erscheinen.

    Der Club Salzburg Nova unterstützt ein CD-Projekt des Ensembles Spirit of Musicke das sich zur Aufgabe gemacht, den vergessenen (verdrängten?) Komponistinnen des Barock zu ihrem Recht zu verhelfen. Kompositionen von Isabella Leonarda, Elisabeth Jacquet de la Guerre, Mrs.Philarmonica und Anna Bon di Venezia sollen musikalisch hochprofessionell ins Licht gerückt werden.

    Das Projekt soll über Crowdfunding ermöglicht werden – Details zu den Komponistinnen finden sich weiter unten; die Möglichkeit, das Projekt zu unterstützen, wird auf www.startnext.com/women4baroque/ näher beschrieben.

    Das CD-Projekt des Ensembles Spirit of Musicke

    Das Ensemble Spirit of Musicke hat sich zur Aufgabe gemacht, den vergessenen (verdrängten?) Komponistinnen des Barock zu ihrem Recht zu verhelfen. Denn diese sind völlig zu Unrecht im Schatten ihrer männlichen Kollegen fast unsichtbar. Nun sollen Kompositionen von Isabella Leonarda, Elisabeth Jacquet de la Guerre, Mrs.Philarmonica und Anna Bon di Venezia ins Licht gerückt werden. Spirit of Musicke plant ein neues CD-Projekt , das Stücke dieser Komponistinnen umfasst.

    Club Salzburg Nova unterstützt das Projekt und hilft bei der Werbung für das Crowdfunding. Die Musikerinnen sind uns freundschaftlich verbunden.

    Ensemble Spirit of Musicke:

    Maria Loos: Blockflöten

    Gabriele Ruhland: Barockcello, Viola da Gamba,

    Veronika Braß: Cembalo

    special guest:Christine Busch: Barockgeige

    Auf der CD erscheinen:

    Isabella Leonarda (1620 – 1704) Sonata II und Sonata VII aus op.16

    Elisabeth Jacquet de la Guerre (1665 – 1729) Violinsonate in d-Moll

    Mrs.Philarmonica (* und † unbekannt) 6 Divertimenti da Camera

    Anna Bon (1738 – nach 1767) Sonate in F-Dur aus op.1

    Finanziert wird das Projekt über Crowdfunding – gezahlt wird nur, wenn das Ziel erreicht wird:

    Für die Finanzierung von Projekten über Crowdfunding gibt es einige Plattformen. Die Künstlerinnen haben sich für Startnext entschieden. Die Zahlungszusage wird verbindlich über die Website www.startnext.com/women4baroque gemacht. Beim Spenden gibt es auch je nach Betrag kleinere oder größere Gegenleistungen: die Spanne reicht von der fertigen CD bis zu einem Hauskonzert mit den Künstlerinnen.

    Aber die Zeit zur Unterstützung ist begrenzt: bis 24.4.2018 können Beiträge zugesichert werden.

    Barocke Komponistinnen – musikalische Spurensuche gegen das Vergessen

    Die Komponistinnen waren zu Lebzeiten bekannt und sehr angesehen. Während Isabella Leonarda neben ihren Aufgaben als Nonne und dann als Madre komponierte, lebten Anna Bon und Elisabeth Jacquet de la Guerre von ihrer Kunst.

    Die allgemeinen Restriktionen, denen Frauen unterlagen, sind weitgehend bekannt. Im Bereich der Musik gab es aber besondere. Im Jahr 1588 verbot Papst Sixtus V. (1585-1590) das Auftreten von Frauen in den Theatern Roms und des Kirchenstaates. Frauen war es verboten, sich in musikalischen Belangen ausbilden zu lassen, zu singen oder Instrumente zu spielen. Mit kurzen Unterbrechungen unter liberaleren Päpsten hielt das Verbot bis Papst Clemens XIV (1769-1774). Um dem Kastratentum Einhalt zu gebieten, erlaubte Papst Clemens XIV. den Sängerinnen wieder, in den Kirchen die Sopranstimmen zu singen und auf den Bühnen des Kirchenstaates aufzutreten. (Die Kastraten der päpstlichen Kapelle behielt er jedoch in Diensten.) Details siehe Päpste und Musikerinnen (Zitiert aus: Danielle Roster, Allein mit meiner Musik. Komponistinnen in der europäischen Musikgeschichte vom Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert, Echternach 1995)

    Johann Mattheson (1681-1764), Musiktheoretiker, Komponist und Kritiker, erklärte dem entgegen: steht nicht zu begreifen, warum man diesem schönen Geschlechte verbieten will, das Lob Gottes an dem dazu gewidmeten Orte öffentlich in seinem Munde zu führen… summa, ich bleibe nach wie vor 12 Jahren bei den Worten stehen: Daß wir die Gabe Gottes mit Füßen treten, wenn wir unter nichtigen heuchlerischen Vorwänden kein Frauenzimmer zur Kirchenmusik lassen und den Gottesdienst also seines besten Schmuckes berauben “

    In Zeiten, als Frauen in Rom und im Kirchenstaat keinerlei Musik ausüben durften, gab es außerhalb des päpstlichen Einflussbereichs talentierte Frauen, die den Beruf der Musikerinnen anstrebten und ausüben konnten. Das verhinderte aber nicht, dass sie von der (männlichen) Geschichtsschreibung vergessen oder totgeschwiegen wurden. Erst im 20 Jahrhundert und im Rahmen der feministischen Bewegung wird gezielt Leben und Werk von Komponistinnen erforscht und wieder publiziert.

    Ein nicht geringer Teil der norditalienischen Musik des 16. und 17. Jahrhunderts stammt von Komponistinnen. Eine der produktivsten von ihnen war die adlige Isabella Leonarda.

    Isabella Leonarda (Details siehe www.klassika.info/Komponisten/Leonarda/lebenslauf_1.html

    Isabella Leonarda wurde am 6. September 1620 in Novara geboren. Im Alter von 16 Jahren trat sie in den Orden Collegio di Sant’Orsola ein. 1686 wurde sie Madre Superior dieses Ordens und 1693 Madre Vicaria.

    Sie hinterließ etwa 200 Kompositionen. In 20 Bänden sind vor allem geistliche Musik, wie z.B. Motetten für Soli und Continuo und auch eine Messe für Soli, Chor, Streicher und Continuo enthalten. Opus 16 ist ihr einziges rein instrumentales Werk. Es besteht aus 12 Kirchensonaten. Diese Kompositionen wurden als Teil der katholischen Messe aufgeführt. Es sind die einzigen von Isabella Leonarda hinterlassenen, sowie eine der ersten von einer Frau veröffentlichten Instrumentalkompositionen.

    Die Sonaten op.16 gehören zu den ersten Instrumentalwerken, die von einer Frau geschrieben wurden. Im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Komponisten (z.B. Corelli) gestaltete sie ihre Sonaten länger, schrieb manchmal sechs Sätze statt der üblichen vier. Auch war sie großzügiger als manche was Modulationen betraf und verwendete eine größere Breite verwandter Tonarten innerhalb einer Sonate.

    Elisabeth Jacquet de la Guerre (Ein ausführlicher Artikel findest sich im Internet unter: https://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Élisabeth-Claude_Jacquet_de_la_Guerre)

    Élisabeth-Claude Jacquet de la Guerre war eine außergewöhnlich erfolgreiche französische Komponistin und Cembalistin, die ihre Jugend am Hofe Ludwigs XIV. verbrachte und später in einer Künstlerehe und als Witwe ihre Karriere als professionelle Musikerin erfolgreich fortsetzte. Sie wurde 1665 geboren und kam bereits im Alter von 5 Jahren an den Hof von Ludwig XIV. Madame de Montespan, seine Maitresse, nahm das Mädchen daraufhin zu sich. Élisabeth-Claude Jacquet de la Guerre kam so in den Genuss einer aristokratischen Erziehung. Sie wurde sehr bald als Wunderkind gefeiert und trat in Adelskreisen als Cembalistin und Sängerin auf. 1687 erschien ein erster Druck von ihren Kompositionen.

    Einen großen Umbruch im Leben Élisabeth-Claude Jacquets bedeutete die Heirat am 23. September 1684 mit dem Organisten Marin de la Guerre (1658–1704). Sie verließ daraufhin den Hof Ludwigs XIV. An der Seite ihres Mannes lebte Élisabeth-Claude Jacquet de la Guerre als aktive und anerkannte Künstlerin. Sie veranstaltete regelmäßig Konzerte in ihrer Wohnung und gab Cembalounterricht.

    1704 starb ihr Ehemann. Sie setzte die Konzert- und Unterrichtstätigkeit fort und veröffentlichte eine Reihe von Kompositionen. Um 1715 zog sich Élisabeth-Claude Jacquet de la Guerre schließlich aus dem öffentlichen Leben zurück. Sie lebte von Unterrichtsstunden und dem Verkauf ihrer gedruckten Kompositionen. 1729 starb sie im Alter von 64 Jahren.

    Sie war eine der ersten Komponistinnen, die wieder entdeckt wurden und wieder öfter im Konzert zu hören sind.

    Zu Mrs. Philharmonica gibt es keine Lebensdaten. Wer sich hinter diesem Pseudonym versteckte, ist völlig unbekannt. 12 Triosonaten wurden 1715 unter diesem Namen in London verlegt.

    Anna Bon (Details siehe de.wikipedia.org/wiki/Anna_Bon_di_Venezia ):

    Das Leben von Anna Bon ist nur bruchstückhaft bekannt, ab 1767 verlieren sich ihre Spuren. Anna Bon wurde 1738 in Bologna geboren. Ihre Eltern unterhielten eine Wanderoper und waren international tätig. Anna wurde mit 4 Jahren in das berühmte venezianische Ospedale della Pietà, das durch das Wirken von Antonio Vivaldi bekannt ist, zur Betreuung und wohl auch zur musikalischen Erziehung gegeben. Üblicherweise blieben Mädchen, die zur Ausbildung im Ospedale untergebracht wurden, bis ins Alter von 17 Jahren. Der Zeitpunkt, wann Anna Bon das Ospedale verließ, um zur Truppe ihrer Eltern zu stoßen, ist nicht bekannt, aber der ihrer Ankunft in Bayreuth wird mit 1755 angenommen. Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, Schwester von Friedrich dem Großen, förderte die Künste und die Ausübenden. So gründete sie zusammen mit ihrem Gatten Markgraf Friedrich eine Akademie nach römischem Vorbild (Annas Vater wurde hier angestellt), verfasste Opernlibretti und organisierte Opernaufführungen.

    Anna Bon wird als Sopranistin und Cembalistin bekannt. Sie komponierte Kammermusik, die sie auch drucken ließ und wahrscheinlich auch eine Oper, die aber verloren ist. Das erste Werk widmete sie dem Markgrafen Friedrich. In der Widmung schreibt sie von „von den Schwierigkeiten dieses Berufes“.

    Nach Gastspielen in Wien, Pressburg und Eisenstadt erhielt die Familie Bon ein Engagement beim Fürsten Nikolaus von Esterhazy in Eisenstadt, genannt „der Prachtliebende“. Der Vertrag datiert vom 1. Juli 1762, darin wird Anna Bon nicht mit ihrem Namen, sondern als „Tochter“ benannt, auch der Name der Mutter, immerhin der einer europaweit berühmten Sopranistin, erscheint nicht, sondern nur als „Weib des Hieronymus Bon“. Bis 1765 dürfte Anna unter dem Kapellmeister Joseph Hayden dem Esterhazy´schen Hof angehört haben. Ab da verliert sich ihre Spur.

    In welcher Form Anna Bon „die Schwierigkeiten dieses Berufes“ kennengelernt hatte, der „dieser schönen und gefälligen Kunst“ – des Komponierens – diente, hat sie in ihrer Widmung an den Markgraf Friedrich nicht gesagt. Ihre vorsichtige Andeutung erinnert an die geringe Aufnahmebereitschaft der Gesellschaft in Bezug auf Komponistinnen: Schon die erste offizielle musikalische Veröffentlichung einer Frau, der Renaissance-Komponistin Maddalena Casulana, war 1568 (in Venedig) zum Schutz an eine einflussreiche Medici-Dame gerichtet:

        „[…] um (wenigstens in der Form, wie es mir im Beruf der Musikerin vergönnt ist) der Welt den närrischen Irrtum der Männer aufzuzeigen, die von sich selbst großmütig glauben, dass sie allein die Meister hoher intellektueller Fähigkeiten seien. Und sie meinen, dass diese Fähigkeiten bei den Frauen nicht in gleichem Maß vorhanden sein können.“

    Auch die venezianische Komponistin Barbara Strozzi glaubte, ihre erste Veröffentlichung 1644 „vor den Blitzen der vorbereiteten Verleumdungen“ schützen zu müssen.